Kabarettistsiche Vergangenheitsbewältigung
Wie ein wildgewordener
Handfeger stürmt der Altinger rein. Mit Riesen-Plaste-Ohren. Wie
der letzte Depp soll er sich fühlen, erfahren wir, Auflage
seines Selbsterfahrungsseminars. Und ratzfatz nimmt uns der
niederbayerische Lausbub mit auf seinen Horrortrip durch die Traumata
der Pubertät und Jugend. Ein Langzeitgedächtnis macht
Tabularasa und quält ihn mit Peinlichkeiten. Da taucht auch
schon das sexy "Massel-Schört" auf, das Michi auf seinem ersten
Heavy-Metal-Konzert anhatte. "Massel-Schört und Stimmbruch sind
superscheiße." Rosige Erinnerungen an erste, zarte
Liebeserlebnisse (mit oder ohne Küssen) werden wach. Die erste
große Lebenskrise: Der Abstieg des Fußballvereins in die
C- Klasse. Als dann Mama auch noch die Tempos unter'm Bett findet und
die komischen Zeitschriften in den Plattenhüllen...
In einem höllischen kabarettistischen Kraftakt kann sich Michi
Altinger ins "Hier und Jetzt" rüberretten. Dabei kratzt der
scheinbar harmlose Passauer Scharfrichterpreisträger '96
rotzfrech an allen Tabus und schlachtet jede Menge heilige Kühe.
Das ist komisches Kabarett gespickt mit beißender Selbstironie.
Dazwischen gibt's Songs, mal nachdenklich, mal sauspaßig.
Für die guten Töne und fetzigen Grooves sorgt die "Band"
Martin Julius Faber, der heuer sogar was sagen darf! "Die Einsichten
in die Aussichten unserer Gesellschaft führen bei Altinger &
Band (...) geradewegs zur selbstironischen Innenbesichtigung. Ein
bayerischer Losertyp agiert mit Charme und Trotz, kann so grob wie
zart sein - und ist letztlich der Gewinner in einer Welt, die sich
selbst belügt. Altinger und Band (...) denken quer, grübeln
und fühlen teuflisch genau nach: Eine Nabelschau, die Wunden
zeigt, aber dabei Lust auf Leben macht." (Jurybegründung zum
Kleinkunst-Cup 1999)