1948 wird Georg Ringsgwandl in Staufenbrück (bayr. Staffabruck), einem Vorort des oberbayerischen Alpenkurortes Bad Reichenhall, als Sohn einfacher Leute geboren. Bereits in seiner Kindheit beginnt er zu musizieren. Er spielt Zither für Kurgäste und Touristen, um sich ein Taschengeld zu verdienen. In seiner Jugend spielt er Posaune und Gitarre und beginnt früh mit dem Schreiben eigener Lieder. Nach einer schweren TBC-Erkrankung, die ihn im Alter von 19 Jahren fast das Leben kostet, gibt er das Posaunespielen auf und widmet sich fortan umso intensiver dem Gitarrespiel.Nach dem Abitur verläßt er Staffabruck, den Ort seiner Kindheit und Jugend, um in Kiel und Würzburg Medizin zu studieren. Er lebt eine Weile und Berlin und London, bis er schließlich eine Stelle als Assistenzarzt im Klinikum Großhadern in München antritt. Das Gitarrespielen und Liederschreiben gibt der Autodidakt Ringsgwandl in der Zwischenzeit nicht auf, ganz im Gegenteil: Mitte der Siebziger Jahre beginnt er, mit seinen Liedern öffentlich aufzutreten. Er ist damit einer der ersten Liedermacher überhaupt, die deutsche Texte in bayerischer Mundart schreiben und singen. Für seine Auftritte schlüpft er in die Rolle mitunter schräger und schrillbunter Kunstfiguren. Als "Gurkenkönig" oder "Dr. Muschnik" tingelt er in greller Verkleidung über die Kleinkunstbühnen und Open Airs im süddeutschen Raum. Seine Musik ist eine ureigene Mischung aus Blues, Rock'n'Roll, Reggae, und schmalzigem Schlager. Seine Lieder erzählen Geschichten aus Vorstädten, von Halbstarken und gesellschaftlichen Außenseitern, oder sie prangern erbarmungslos den Konsumterror unserer modernen Gesellschaft an. Vor allem in München bespielt er Ende der Siebziger Jahre die gleichen Kleinkunstbühnen wie Bruno Jonas, Jörg Hube oder Sigi Zimmerschied. Sie alle werden bald erfolgreiche, weithin bekannte Kabarettisten des etablierten Kulturbetriebs. Der Außenseiter Ringsgwandl jedoch folgt seiner eigenen, unkonventionellen Vorstellung von intelligenter Unterhaltung und arbeitet unbeharrlich an der Vervollkommnung seiner Kunst weiter. Von den Auftritten Jango Edwards tief beeindruckt und inspiriert, entwickelt er eine in dieser Zusammensetzung noch nie bekannt gewesene Mischung aus Kabarett, provokativer Verwandlungsshow, Tragikomik, Mundartdichtung, Entertainment und Rockmusik.
Mitte der Achtziger Jahre, bis dahin noch allein unterwegs, beginnt er mit einer Band aus Berufsmusikern zu arbeiten. In seinen fast legendären Konzerten zitiert, persifliert, verdreht und vermischt Ringsgwandl alles, was die populäre Kultur zu bieten hat: Vom Volkslied und Marsch über den Schlager und Rock'n'Roll bis hin zum Heavy Rock und Rap. Er singt in neonsynthetischer Glitzerverkleidung von den Absurditäten des modernen Lebens und führt dem Publikum durch eine völlig groteske Überzeichnung des alltäglichen Wahnsinns seine Nichtigkeit und Vergänglichkeit vor. Ein neuzeitlicher Totentanz zu Heavy Metal Landler und Anarcho Rock. Während sich das Publikum bestens unterhalten fühlt, hält ihm Ringsgwandl als tragikomische Kunstfigur unbarmherzig den Spiegel der Lebenslügen und Eitelkeiten vor. Zu seine skurrilen Texten, voll subtiler Poesie und dabei fernab jeder Larmoyanz, gesellen sich zwischen den Stücken hintergründig böse Zeitkommentare. In seiner Rolle als klassisch komödiantischer Conferencier ist er auch immer auf spontane Konfrontation mit dem Publikum aus, was seine aggressiv sarkastisch geführten Textimprovisationen nicht selten in wüst geniale Publikumsbeschimpfungen ausarten läßt. Nach seiner Zeit als Assistenzarzt in München zieht er wieder zurück in die bayerischen Berge, nach Garmisch. Im dortigen Kreiskrankenhaus tritt er eine Stelle als Oberarzt für Intensivmedizin und Kardiologie an.
1987 erscheint auf dem unabhängigen Musiklabel Trikont in München die erste Platte von Ringsgwandl: "Das Letzte". Mit dieser Platte kommt der ihm so lang versagte Erfolg: Ringsgwandl avanciert vom Geheimtip zum Star der Szene. Statt Kleinkunstbühnen füllt er nun Veranstaltungshallen. Seine Kunst wird zum Vollzeit-Nebenberuf. In der Folgezeit wird er mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. 1987 mit dem Salzburger Stier, eine der bedeutendsten Auszeichnungen für deutschsprachige Kabarettisten.
1989 erhält Ringsgwandl den Deutschen Kleinkunstpreis und veröffentlicht seine zweite Platte: "Trulla ! Trulla !". Mit dem gleichnamigen Konzertprogramm geht er im gesamten deutschsprachigen Raum auf Tournee. Bei den stets ausverkauften Konzerten wird Ringsgwandl von Publikum und Kritik gleichermaßen umjubelt. Die Rezensenten der Presse, von der Zeit über den Wiener Standard bis zum Spiegel, feiern ihn als "Punk-Qualtingen", "Valentin des Rock'n'Roll" oder schlicht als "bayerisches Genie". Obwohl er, seinem Mißtrauen gegenüber Medien und Presse folgend, die meisten Angebote ablehnt, reihen sich ein Fernsehauftritt an den nächsten.
Als 1992 seine dritte Platte "Vogelwild" erscheint und er wieder mit einem gleichnamigen Programm auf Tour geht, gibt es kaum mehr eine Zeitung, die nicht über das sogenannte "Doppelleben" des Oberarztes aus Garmisch berichtet hat. Doch anstatt unter Einfluß des immer größer werdenden Erfolges in der sonst üblichen Art und Weise durch eine rein kommerzielle Marktorientiertheit zu verflachen, wird Ringsgwandls Kunst seines ureigenen "Musikkabaretts" noch anspruchsvoller. Seine Texte und Darbietungen verlieren nichts an Schärfe und Intensität. Künstlerische Erstarrung in Perfektion und erfolgsbedingter Sattheit sind ihm fremd. Ringsgwandls Konzerte werden nuancenreicher und tiefgründiger, seine Conferencen spontaner und noch bissiger. Die jetzt bei weitem rockiger angelegten Auftritte kommen einem grellbunten Wirbelsturm der Zerrissenheit der Menschen im alltäglichen Wahnsinn gleich, in welchem er das Publikum ebenso wie die von ihm verkörperte Kunstfigur in grotesker Lächerlichkeit demontiert. Ganz nebenbei sind diese Konzerte auch von höchster musikalischer Qualität und von großem Unterhaltungswert.
1993 gibt Ringsgwandl seine Anstellung als Oberarzt auf, lebt weiterhin mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Garmisch und beginnt, in einer Gemeinschaftspraxis in München zu arbeiten. Gegen Ende desselben Jahres erscheint seine vierte Platte: "Staffabruck". Sie trägt den Untertitel "Songs aus dem Hinterhalt ins Herz der Dinge - Unveröffentlichtes aus 20 Jahren" und offenbart eine bis dato unbekannten, "neuen" Ringsgwandl. Dieser spartanisch instrumentierte Liederzyklus in bayerischer Sprache, auf dem er sich selbst auf einer akustischen Gitarre begleitet, enthält sehr persönliche, besinnliche Lieder über das Leben und die Zeit seiner Kindheit und Jugend in Staffabruck. In ihrer schlichten Einfachheit und poetischen Intensität sind diese Lieder über die kleinen Dinge, die doch das Leben von uns Allen ausmachen, von einer solch lyrischen Kraft und Zeitlosigkeit, wie man sie im deutschsprachigen Raum kein zweites Mal findet. Nachdem er sein neues Programm, solo und völlig ohne Maskerade, erstmals live aufführt, feiert Publikum und Kritik den "neuen" Ringsgwandl mit emphatischer Begeisterung. Von "Wandlung und Triumph" bis zur "Platte für die Ewigkeit" ist in den Feuilletons der Tageszeitungen zu lesen. Man reiht ihn ein in die Reihe der ganz großen Songpoeten: Bob Dylan, Neil Young oder J.J. Cale.
[HOMEPAGE] [GESAMT] [GALERIE] [KNEIPE & CAFE] [MRKTE] [VOLKSTANZ] [KLEINKUNST-VEREIN] [GESCHICHTE] [GSTEBUCH] [MITGLIEDSANTRAG] [LAGEPLAN] [IRSEE-LINKS] [VORVERKAUF]
UPDATE VOM 31.12.1998 von KM