Montag
9.Juli 20 Uhr

Die
"Giesinger Sautreiber" sind nicht in einem Münchner Vorort
ausgebildete Stallknechte, sondern ein hochmusikalisches Kabarett-Quartett aus
der Bayernmetropole, das es versteht, sein Publikum mitzureissen. Ländlich
bayerische Klischees sind der liebste Mist auf ihrer spitzen Heugabel, mit der
sich so herrlich im gehärteten Dung wurschteln lässt, auf daß der Gestank und
die Fäulnis ein wenig ans Tageslicht gefördert werde. Wirklich wegräumen lässt
sich das Zeugs eh nicht, also macht man sich wenigstens darüber lustig.
Sie
lassen die sorgsam gepflegte Haßliebe zwischen Bayern und (Sau-)Preußen kräftig
zur Saaldecke stinken, Phänomene wie Almenromantik, Münchner Wiesenseligkeit,
aber auch die Großstadt selbst und ihre zwischenmenschlichen Konflikte bekommen
deftiges Schmalz ab.
Geschickt
beziehen sie das Publikum in ihre peppige Hatz ein, proben Zungenbrecher als
Alkotest, lassen es mitschunkeln oder -turnen zum "Hopstradio". Dabei
beweisen sie enormes kommödiantisches Geschick und sind nicht nur oberflächliche
Gaudimaxe, sondern musizieren in einer stilistischen Vielfalt, daß es eine
Freude ist. Die Polka kokkettiert mit dem Tango, der Walzer treibt es mit dem
Blues und Cajun darf sehr wohl einen alpenländischen Einschlag haben.
Couragiert, aber wohldosiert werden die unterschiedlichsten Ausdrucksformen
untereinandergemengt und in witziger Weise intoniert.
Basis
sind dabei die gehaltvoll frechen, hinterfotzig humorvollen Texte des Sängers
und Gitarristen Rainer Berauer, der neben eigenen Kompositionen auch ganz
bezaubernde Übersetzungen von Welthits ins Bayerische schreibt. Da reimt
"Macarena" sich auf "Suppenhenna", aus "Guantanamera"
wird kurzerhand ein "g'wamperter Neger". Für Schmiß sorgt
Multi-Instrumentalist Hans G. Rumpel an Stimme, Schlagwerk, Akkordeon,
Gitarre und was immer sonst an Musikalien in seine Finger gerät. Legendär und
von Stenzen gefürchtet sind seine Schlagzeugsoli quer durch den Saal. Insider
behaupten, er könne selbst einer Gartenharke noch Melodien entlocken.
Rosl
Zupfinger,
solide groovende, weibliche Kontrabasshupe mit exorbitanter Mimik, löst
ihrerseits mit furiosen Steptanz-Einlagen regelmäßig Begeisterungsstürme aus.
Melodisch und programmatisch zur Speckwindel(Lederhosen)-Fraktion abgerundet, wird das Ensemble durch den im Frack auftretenden Deubelsgeiger und Sänger Fidelius Deubel, der als "Berliner Jemsenjäger" oder Jean Jaques Würmbadeur beim "Frühling in Paris" sein schauspielerisch-komisches Talent beweist.
Eintritt:
30.-DM +VVKG