

Schule, Beruf und Alltag sind gekennzeichnet durch Überbetonung von Wissensvermittlung und kognitiven Fähigkeiten. Der Wissensexplosion stehen emotionale Verarmung und Vereinsamung sowie Verkümmerung der kreativen Anlagen und Fähigkeiten gegenüber.
Professor Rudolf Seitz, Jahrgang 1935, richtete als Präsident der Münchner Kunstakademie dort eine "Kinderwerkstatt" ein, um den angehenden Kunsterziehern die Möglichkeit zu bieten, sich in der Arbeit mit Kindern zu erproben. Die Konsequenz aus dieser Einrichtung, die Seitz zu Forschungszwecken nutzte, war die Entwicklung der "Schule der Phantasie". Seit 1980 gibt es diese in München als schulergänzendes Angebot, seit 1989 auch in Irsee. Rudolf Seitz starb im April 2001.
In der "Schule der Phantasie" sollen Kinder ihre Kreativität voll entfalten, also die Defizite aufholen, die der Schulalltag schafft. Das Wort "Schule" soll dabei in seiner ursprünglichen Bedeutung verstanden werden, nämlich als Ort der Muße (sich Zeit geben; Ruhe, Entspannung und Stille erleben), der Begegnung (mit sich - Selbstfindung und Selbsterfahrung; mit anderen - Umweltbezug) und des Gesprächs (Wort-, Bild-, Körper- und Klangsprache).
Rudolf Seitz meint dazu: "Solidarität ist schließlich das, was wir brauchen, wenn wir die Institution Schule verlassen, was diese aber geradezu verbietet. Die zehn kreativsten Minuten eines Schulalltags sind die vor 8 Uhr, wenn Hausaufgaben in rasender Geschwindigkeit abgeschrieben werden, und sich die Kinder gegenseitig noch kurz eine schwierige Mathe-Aufgabe erklären."
Unter dem Begriff "Phantasie" verstehen wir hier: Ideen haben, entdecken, erleben. Die Kreativität gibt einem Menschen die Möglichkeit, vorhandene Ideen umzusetzen und durchzuführen.
"Der Mensch ist nur ganz Mensch, solange er spielt", sagte schon
Schiller.

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