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Geschichte von Irsee
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Der von weitem sichtbare Turm der heutigen St.-Stephans-Kirche. Einst Standort der Burg der "Herren von Ursin" - den Namensgebern des Ortes und Gründern des Klosters.
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Ursprung und Herkunft
Irsee hat weder mit einem See etwas zu tun, noch steht es in Zusammenhang mit "irr", obwohl die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters von 1849 bis 1972 eine Heil- und Pflegeanstalt - früher nannte man das Irrenanstalt - beherbergten. Woher kommt nun der Name "Irsee"? In der Klostergeschichte von Ottobeuren taucht um etwa 980 n. Chr. ein Geschlecht der Edelherren von Ursin auf. Ihre Stammburg stand an der Stelle der heutigen Friedhofskapelle "St. Stephan" im Oberen Dorf. Das Geschlecht hat sich nach dem Ort genannt, an dem es lebte. Der Name "Ursin" ist jedoch viel älter. Er geht auf die Zeit der Römer zurück, die von der Zeit um Christi Geburt an das Allgäu für 400 Jahre besetzt hielten. Die Edelherren waren Schutzvögte des Klosters Ottobeuren. Um ihrem Kloster näher zu sein, verließen sie etwa um 1130 ihre Burg in Irsee und ließen sich in einer neuen Burg in Ronsberg nieder. In der Folgezeit wurde das Geschlecht sehr reich an Landbesitz und erhielt zudem die Markgrafenwürde. Im weiteren Geschichtsverlauf wurde aus dem ursprünglichen Namen "Ursin" der Ort "Markt Irsee". Die Geschichtsquellen zählen zahlreiche Abwandlungen der Ortsbezeichnung im Laufe der Zeit (Vrsinun, Ursina, Ursinum, Vrsinvn, Ursin, Versin, Versi, Yrsin, Yrsee, Irrsee, Irsee).
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Ein Kloster wird gegründet
In den Tagen um etwa 1180 hatten sich im Wald von Eiberg fromme Männer um den Einsiedler Heinrich geschart. Sie bauten eine Kapelle. Menschen aus nah und fern suchten bei den Waldbrüdern, zu denen sich auch ein Priester gesellt hatte, Trost und Hilfe. Markgraf Heinrich von Ursin-Ronsberg schenkte ihnen den Wald von Eiberg und erbat sich aus dem Kloster Isny den Mönch Wernher als Vorsteher für die Gemeinschaft, die nun nach der Regel des heiligen Benedikt leben sollte. Damit war das Kloster Irsee 1182 gegründet. Obwohl eine Urkunde über diese Stiftung wohl nie ausgestellt wurde, gilt dieses Jahr als das Gründungsjahr von Kloster und Ort. Im Jahr 1185 überließ Markgraf Heinrich den frommen Brüdern die längst verlassene Stammburg Ursin oben am Berg. Schon wenige Jahre später beschlossen die Mönche unter ihrem ersten Abt Cuono einen Neubau im Tal, wo ihnen das Wasser zufloss, statt es bergan tragen zu müssen.
Nach einem Jahrhundert des Erblühens der neuen Abtei folgten schwere Zeiten. Missernten, Teuerungen, Hungersnot, Kriegsnöte, Belagerungen und prachtliebende Äbte brachten das Irseer Kloster an den Rand des Ruins. Um etwa 1370 wirtschaftete Abt Peter von Baisweil das Kloster so sehr herunter, dass die Mönche in fremden Klöstern Zuflucht suchen mussten. Mit Einwilligung des Bischofs von Augsburg nahm die Burgherrin und Vögtin von Kemnath, Maria Ellerbach, die Leitung des Klosters in ihre Hand und sanierte es in 20-jähriger mustergültiger Verwaltungsarbeit. Im späten Mittelalter zählte die Abtei Irsee zu den bedeutendsten im Bistum Augsburg.
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Markgraf Heinrich von Ursin-Ronsberg schenkte im Jahr 1185 den frommen Waldbrüdern aus Eiberg seine ehemalige Stammburg.
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Das Kloster Irsee vor dem 30-jährigen Krieg mit dem spätmittelalterlichen Gebäudebestand, nach dem Kupferstich "Monasteriologia" aus dem Jahre 1619.
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Unruhige Klosterzeiten
Die Neuzeit bringt allerorten Unruhe ins religiöse und soziale Leben. Im Bauernaufstand 1525 wollen die Bauern frei werden von den Frondiensten, Zehenten und Leibeigenschaften. Auch die Untertanen des Irseer Klosterlandes erheben sich gegen ihren Grundherrn. Sie ziehen, mit Sensen und Dreschflegeln bewaffnet, zum Kloster Irsee und plündern und zerstören in sinnloser Wut. Der Konvent flüchtet in den Klosterhof nach Kaufbeuren. Am 18. Mai 1525 setzen die Bauernhaufen den roten Hahn aufs Klosterdach. Mit dieser Einäscherung endeten die Drangsale. Es war nichts mehr zum Zerstören übrig geblieben. Das Kloster erstellte einen Notbau - der eigentliche Klosterbau zog sich jahrelang hin. Der Dreißigjährige Krieg brachte neues Unheil. Die Abtei Irsee wurde nicht weniger als fünfmal von schwedischen Truppen heimgesucht und verwüstet, obendrein noch von kaiserlichen Kroaten und danach von französischen Truppen geplündert. Lange Zeit war das Kloster so arm, dass es nur etwa ein halbes Dutzend Mönche aufnehmen konnte. Auch das Dorf leidet unsäglich. Im Gefolge des Krieges reitet der Schwarze Tod einher, holt die Pest ihre Opfer aus jedem Haus.
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Neubau der Klosterkirche
Die alte Klosterkirche war baufällig geworden. Am Pfingstfest des Jahres 1699 stürzte der mächtige Sattelturm ein und begrub den Chor unter seinen Trümmern. Schon nach wenigen Monaten wurde unter Abt Romanus Köpfle der Grundstein für ein neues Gotteshaus gelegt. Baumeister war Franz Beer aus Vorarlberg. Dem berühmten Barockbaumeister stand der 19-jährige Wessobrunner Stukkateur Joseph Schmutzer ebenbürtig zur Seite. Nach nur drei Jahren Bauzeit war die Klosterkirche erstellt, am 13. Oktober 1704 wurde sie geweiht. Hier sei nur eine Besonderheit der Innenausstattung genannt: die Schiffskanzel, die in ihrer Art einzigartig ist und zum Wahrzeichen der Irseer Kirche wurde.
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Die ehemalige Klosterkirche - heutige Pfarrkirche von Irsee - wurde im Zeitalter des Barock erstellt.
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Abbildung der Klosteranlage auf dem Deckenfresko der St.-Stephans-Kirche, gemalt von Franz Xaver Bernhardt im Jahr 1771.
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Ausbau des Klosters und seiner Vorherrschaft
An der Schwelle zum 18. Jahrhundert steht ein in besonderem Maße verdienstvoller Abt dem Irseer Kloster vor. Es ist Romanus Köpfle aus Reutte in Tirol. Nicht nur der Kraftakt des oben erwähnten Kirchenneubaus wurde unter seiner Führung bewerkstelligt. Sein besonderer Verdienst ist es, dass Irsee mit seinem Herrschaftsgebiet reichsunmittelbar wird und somit der Prälat - das ist der Abt als Grundherr - Sitz und Stimme im Reichstag hat. Unter Abt Willibald Grindl wurden die Klostergebäude völlig neu gebaut. Die Pläne für diese Anlage werden dem Irseer Mönch Magnus Remy zugeschrieben, der auch zahlreiche Gemälde in der Kirche schuf. Während der 34-jährigen Amtszeit (1731-1765) von Abt Bernhard Beck wurde Irsee zu einem Zentrum des geistigen und wissenschaftlichen Lebens in Schwaben und weit über dessen Grenzen hinaus. Gefördert wurden neben Theologie und Philosophie besonders das Studium der Mathematik und der Physik sowie die Musikpflege. Das Naturalienkabinett in Irsee mit seinen mathematischen und physikalischen Geräten erlangte Berühmtheit. Zu Ende des 18. Jahrhunderts galt Irsee als Sitz großer Gelehrtheit.
Im Jahr 1782 - es war das 600-jährige Jubiläum des Klosters - wurde erstmals ein Viehmarkt in Irsee abgehalten. Drei Jahre später fand gleichzeitig auch ein Kramermarkt statt. Auf diesem anfangs zweimal im Jahr stattfindenden Markt geht noch heute der Titel des Ortes "Markt Irsee" zurück.
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Die Säkularisation - Das bittere Ende des Klosters Irsee
Von den französischen Revolutionskriegen und den napoleonischen Feldzügen bleibt Irsee nicht verschont. Flüchtlinge ersuchen Unterkunft im Kloster; Durchmärsche, Einquartierungen und Kriegsleistungen lassen ein bis zum letzten erschöpftes Land zurück. Das bittere Ende ist die Aufhebung des Klosters im Jahre 1802. Dieses letzte Kapitel in der Geschichte der Benediktinerabtei Irsee bedeutet für den Ort Irsee Abschied von vertraut und lieb gewordenem, von jahrhundertelangem Neben- und Miteinander, Verlust seiner geistigen und geistlichen Mitte. Zum Herrschaftsgebiet des Klosters gehörten damals: Irsee, Romatsried, Eggenthal, Baisweil, Lauchdorf, Ingenried, Schlingen, Ketterschwang, Rieden, Pforzen, Leinau, Mauerstetten mit insgesamt 3221 Einwohnern und einem Viehbestand von 932 Pferden, 3163 Stück Rindvieh, 2199 Kälbern und Schafen.
Die Klosterkirche wird 1804 zur neuen Pfarrkirche für den Ort bestimmt. Für die bisherige Pfarrkirche "St. Stephan" wird ein kompletter Abriss angeordnet, der jedoch nach jahrelangem Ringen zwischen Gemeinde und Staat abgewendet werden konnte. Im Konventgebäude des Klosters wurde 1803 ein Landrichteramt eingerichtet, das jedoch schon ein Jahr später nach Kaufbeuren verlegt wurde. In Irsee verblieb bis 1828 noch das Rentamt, in dem die Bürger ihre Steuern bezahlen mussten. Zuletzt war noch die Pfarrerswohnung in Teilen des Klostergebäudes untergebracht. Als auch der örtliche Seelsorger 1834 in den neu erbauten Pfarrhof umgezogen war, stand das Kloster leer. Während umliegende Nebengebäude - wie etwa die ehemalige Klosterbrauerei, das Haus des Oberamtmannes oder das Gerichtsgebäude - in Privatbesitz übergingen, konnte das Hauptgebäude mangels Nachfrage nicht veräußert werden.
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Die Säkularisation im Jahr 1802 hatte für Irsee weitreichende Folgen. Die in 620 Jahren gewachsenen Strukturen des Zusammenlebens der Mönche mit den Bewohnern des Ortes waren zerschlagen. Der Staat - oder besser die bayerische Kurpfalz - war Eigentümer sämtlichen Besitzes des Klosters.
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Auch das nahegelegene ehemalige Schlossgut Bickenried - einst der Sommersitz der Irseer Äbte - wurde im Rahmen der Säkularisation an Privat veräußert. Das Gebäude fiel im Jahr 1870 einem Brand zum Opfer.
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Heil- und Pflegeanstalt in den Räumen des ehemaligen Klosters
Am 1. September 1849 wurde schließlich vom damaligen Bezirk Schwaben eine Kreisirrenanstalt mit zunächst 80 Patienten in den ehemaligen Räumen des Klosters Irsee eingerichtet. Wie schon zuvor war mit dieser Institution wieder ein für Irsee bedeutender Wirtschaftsfaktor vor Ort. Zahlreiche Irseer Bürger hatten einen Arbeitsplatz in der Anstalt oder standen als Handwerker oder Dienstleister in Geschäftsbeziehungen. Um die Jahrhundertwende und nochmals um etwa 1920 erwägte man die Schließung der Anstalt, wozu es aber nicht kam.
Mit den Jahren des Dritten Reiches schlitterte die Heil- und Pflegeanstalt in Irsee zusammen mit der Hauptstelle in Kaufbeuren in ihr dunkelstes Kapitel seit Bestehen: die Euthanasie-Aktionen von 1939 bis 1945. Die unmenschliche Rassenideologie des Nationalsozialismus und die daraus folgenden Aktionen zur "Vernichtung unwerten Lebens" werden auch in der Heil- und Pflegeanstalt in Irsee und Kaufbeuren praktiziert. Über 2000 Patienten (Erwachsene und Kinder) werden in Vernichtungsanstalten deportiert, sterben nach Verordnung einer fettlosen Hungerkost (E-Kost) oder werden mittels Spritzen und Überdosen von Medikamenten direkt umgebracht. Erst einige Wochen nach Kriegsende wurden die grausamen Aktionen der Euthanasie beendet.
Die Heil- und Pflegeanstalt machte einen Neuanfang. Mit der Zeit änderten sich in der Psychiatrie die Behandlungsmethoden. Die bloße Verwahrung der Patienten in der Anstalt wird nach und nach durch sinnvolle Arbeitstherapie ersetzt. Und so war es im Ort bald ein gewohnter Anblick, dass Patienten auf den Handwerks- und Gartenbaubetrieben der Anstalt bei der täglichen Arbeit mithalfen.
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Errichtung des Schwäbischen Bildungszentrums im ehemaligen Kloster.
Das über 120 Jahre währende Kapitel der Psychiatrie in Irsee fand allmählich sein Ende. Die Bausubstanz des ehemaligen Klosters war durch die strapazierende Nutzung abgewirtschaftet und durch Bodensenkungen stellenweise einsturzgefährdet. 1965 beschloss der Bezirk Schwaben die Schließung der Anstalt mit anschließendem Abbruch der Klostergebäude. Zunächst mussten jedoch alle Patienten verlegt werden, was schließlich noch weitere sieben Jahre dauerte. Eine Wartezeit, die für Irsee eine glückliche Wende herbeiführte. Der Bezirkstag revidierte seinen zuvor gefassten Beschluss zum Abbruch und entschied sich 1974 für die Einrichtung eines schwäbischen Bildungszentrums im ehemaligen Kloster Irsee. Die umfangreichen Renovierungsmaßnahmen von Klostergebäude und -kirche konnten 1981 abgeschlossen werden und somit ein weiteres Kapitel beginnen.
Seit über 20 Jahren erarbeitet sich nun das "neue" Kloster Irsee als Bildungseinrichtung des Bezirks Schwaben einen Ruf, der über Schwaben hinaus Gäste aus der ganzen Welt zu Tagungen und Seminaren in die alten Klostermauern zieht, in denen Kunst und Kultur wie zu Zeiten der Benediktiner einen hohen Stellenwert genießen.
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Das Kloster Irsee vor dem 30-jährigen Krieg mit dem spätmittelalterlichen Gebäudebestand, nach dem Kupferstich "Monasteriologia" aus dem Jahre 1619.
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