ALTÄRE

Von dem Gottvater-Bild nimmt nicht nur die Bildfolge der Deckengemälde ihren Ausgang, in diesem Gemälde findet zugleich das Bildthema des Hochaltars seinen Höhepunkt. Aufbau und Figuren des mächtigen Altars von 1722 sind das gemeinsame Werk des Schreiners Johann Bergmüller und des Bildhauers Ignaz Hillenbrand. Im Zentrum das 1722 datierte, von Fr. Magnus Remy gemalte, 8 x 3,40 m große Altarblatt mit Darstellung des Kirchenpatroziniums »Mariae Himmelfahrt«. Die themabedingte Höhenentwicklung der Komposition wird unterstrichen durch subtile Steigerung von irdischem zu himmlischem Licht und setzt sich über die bekrönende Heiliggeisttaube in der Glorie fort, bis in den Himmel des Gottvater-Bildes der Apsiskalotte.

Zwischen den Altarsäulen stehen die vergoldeten Holzfiguren der Irseer Kirchenpatrone Petrus und Paulus (innen) und der Ordensstifter Benedikt und Scholastika (außen). An den Konsolen der marmorierten Säulen vier Reliefkartuschen mit den Symbolen der vier Evangelisten Johannes (Adler), Lukas (Stier), Markus (Löwe) und Matthäus (Engel).

Gleichzeitig mit dem Hochaltar fertigten Bergmüller und Hillenbrand die beiden kulissenartig aufgestellten Seitenaltäre am Chorbogen. Der linke (auf der Evangelienseite) birgt in einem Glasschrein die Reliquien des Märtyrers Eugenius, seitlich die Figuren der Pestpatrone Sebastian und Rochus; schräg gegenüber Gemälde des Hl. Eugenius, mit dem der Schrein verschlossen werden kann. Der rechte Seitenaltar (auf der Epistelseite) enthält in einer Nische die qualitätvolle, gefaßte Holzfigur einer sitzenden Muttergottes (um 1510/20), ausgeführt von dem Memminger Bildhauer Christoph Scheller; seitlich die Rosenkranzheiligen Dominikus und Katharina von Siena.

Wie der linke Seitenaltar weisen die Nebenaltäre in den Kapellen des 4. Jochs ebenfalls gläserne Schreine auf, die die Heiligen Leiber der Märtyrer Faustus (links) und Candidus (rechts) bewahren. Auch diese Schreine lassen sich durch Leinwandgemälde mit Darstellungen der lebenden Heiligen verdecken. An dieser Stelle sei ein Exkurs über die Reliquien und ihre Verehrung eingeschoben: Mit dem Verlust des Kirchenschatzes 1633 hatte Irsee auch seine Reliquien eingebüßt. Daraufhin bemühte man sich in Rom, wo seit Wiederentdeckung der Katakomben Ende des 16. Jahrhunderts ein großer Kult um die erhobenen Gebeinen entstanden war, neue Reliquien zu erwerben. Kurz nacheinander, 1668, 1676 und 1686, erhielt Irsee die Heiligen Leiber der Märtyrer Eugenius, Faustus und Candidus, die in feierlicher Zeremonie, Translation genannt, in die damalige Kirche überführt wurden. 1706/07 ließ das Kloster die Reliquien in Ottobeuren durch den Benediktiner P.Magnus Schwarz in der heutigen Form fassen, d. h. die Skelette mit Draht stabilisieren, mit Perlen, bunten Glassteinen etc. kunstvoll verzieren sowie gold- und silberbestickten Gewändern bekleiden; 1722 bzw. 1725 wurden die Glasschreine mit den Heiligen Leibern dann in die Altäre eingesetzt, waren aber zumeist hinter den Gemälden versteckt und nur an wenigen Festtagen zu sehen. Nicht liegend, sondern stehend sind die ganzfigurigen Reliquien ausgestellt. In aufrechter Position erfüllten die Heiligen Leiber besonders eindrucksvoll das für die barocke Frömmigkeit spezifische Bedürfnis nach Vergegenwärtigung des Heiligen, nach einer sinnlich faßbaren Dimension der Religion. Dahinter stand die Vorstellung von der universalen Einheit der Lebenden und Toten in der Kirche, mit den Heiligen als Wegbereiter und Begleiter in den Himmel.

 Die Nebenaltäre in den Kapellen des 2. und 3. Jochs sind um 1704 entstanden. Alle Altarblätter hat Fr.Magnus Remy gemalt; sie zeigen: (2. Altar links) »Verlobung der Hl. Katharina« und »Hll. Cosmas und Damian«, (2. Altar rechts) »Sieg des Hl. Michael« und »Hll. Ulrich und Nikolaus«; (3. Altar links) »Hl. Antonius vor der Muttergottes«, und »Hl. Magnus«, (3. Altar rechts) »Hl. Familie« und »Anbetung der Könige«.

Nebenaltar

Nebenaltar in der südlichen Kapelle, 4. Joch, mit dem heiligen Leib des Märtyrers Candidus, wiedergegeben als stehender Ritter.

Nebenaltar

Rechter Seitenaltar am Chorbogen mit sitzender Muttergottes.

Aufsatz des Nebenaltars

Aufsätze des Nebenaltars in der südlichen Kapelle, 2. Joch, mit Reliquien von Märtyrern und Heiligen, die in Rom erworben wurden.

Muttergottes

Im rechten Seitenaltar: sitzende Muttergottes (um 1510/20) von dem Memminger Bildhauer Christoph Scheller.