
GESCHICHTE
Die Geschichte des Klosters reicht ins 12. Jahrhundert zurück. Keimzelle war - so die Überlieferung - eine Einsiedelei im Eiberger Wald. 1182 erbauten die dort lebenden Eremiten eine Kapelle. Dieses Datum ist zwar durch keine Urkunde gesichert, gilt aber traditionell als Gründungsjahr.
Eifrige Förderung erfuhr die fromme Gemeinschaft auf dem Eiberg durch Markgraf Heinrich von Ursin-Ronsberg ( 1191); auf sein Betreiben betreuten die Benediktiner aus Isny im Allgäu (Kr. Ravensburg) die kleine Niederlassung, von ihm erhielten die Brüder die verlassene Stammburg »Ursin« des Hauses Ronsberg zum Geschenk. Jene Burg, auf der Anhöhe, wo heute die Irseer Friedhofskirche St. Stephan (zwischen 1474 und 1490 erbaut) steht, gab der späteren Benediktinerabtei und dem Marktflecken den Namen.
In ihrem Domizil auf dem Berg hatten die Mönche Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung, so daß sie sich bald neu orientierten und 1187 damit begannen, an dem Platz, wo auch jetzt das Kloster steht, eine neue Kirche zu bauen. Daneben wurden die Konventgebäude und eine Nikolauskapelle errichtet. Am 3. Mai 1195 weihte Bischof Udalschalk von Augsburg Kirche und Kapelle. Letztere wurde bald eine begehrte Begräbnisstätte, in der die Wohltäter des Klosters ihre letzte Ruhe fanden.
In den folgenden Jahrhunderten nahm die Benediktinerabtei, deren klösterliche Zucht allgemein als vorbildlich galt, eine wechselvolle Entwicklung. Zahlreiche Schenkungen mehrten den Grundbesitz des Klosters, das zum Mittelpunkt eines eigenen Herrschaftsgebietes heranwuchs. Jedoch: diese Zeiten der Prosperität wurden unterbrochen von Phasen wirtschaftlichen Niederganges. Bauernunruhen zwangen Abt Peter Fend (1502-1533) und den Konvent sogar, 1525 das Kloster zu verlassen und in den Mauern der Stadt Kaufbeuren Schutz zu suchen. Bei ihrer Rückkehr, 1526, fanden sie die Kirche geplündert und die 1502 angefangenen Neubauten zerstört. Die Wiederherstellung vollzog sich nur schleppend und hielt nicht lang, denn der Dreißigjährige Krieg brachte neue Verwüstungen. Wieder wurden Abt - Maurus Keuslin (1627-1664) - und Mönche vertrieben; sie flüchteten ins Kloster Kreuzlingen (Schweiz). Dort, vermeintlich gerettet und in Sicherheit, verbrannte 1633 wertvolles Archivgut und die Schweden raubten den Kirchenschatz.
1686 schloß sich Irsee mit den Klöstern in Donauwörth, Füssen, Fultenbach, (Mönchs-) Deggingen, Neresheim, (Ober-) Elchingen und Ottobeuren zur Niederschwäbischen Benediktinerkongregation zusammen. 1692 dann erreichte das Kloster ein jahrzehntelang angestrebtes Ziel: es kaufte dem Fürststift Kempten die noch verbliebenen Rechte über das eigene Herrschaftsgebiet ab und erlangte damit volle Landeshoheit über sein Territorium. Als Kaiser Joseph I. Irsee 1706 noch mit der hohen Obrigkeit und dem Blutbann belehnte, waren die Irseer Äbte berechtigt, auch die Huldigung ihrer Untertanen entgegenzunehmen sie saßen im Reichstag auf der schwäbischen Prälatenbank, entrichteten Reichssteuer und stellten im Kriegsfall ein Kontingent von 62 Soldaten.
Diese Entwicklung ist vor allem mit den Namen der Äbte Romanus Köpfle (1692-1704) und Willibald Grindl (1704-1731) verbunden, zu deren Verdiensten auch der Neubau von Kirche und Kloster gehören; damit setzten sie sich ein bleibendes Denkmal. Ihre Grabplatten (Inschriftepitaphien aus Solnhofer Stein) sind am Chorbogen der Kirche eingelassen. Unter Abt Bernhard Beck (1731-1765) rückte Irsee zu einer der bedeutenden Stätten benediktinischer Gelehrsamkeit auf. Nach Einrichten eines mathematisch-physikalischen Museums im Kloster, 1744, bildete sich ein naturwissenschaftliches Forschungs- und Studienzentrum heraus, das wenig später einen Gegenpol bekam; Abt Aemilian Mock (1765-1784) führte nämlich erfolgreich das Studium der griechischen und der orientalischen Sprache ein.
Mit der Säkularisation des Klosters (1802 eingeleitet, 1803 vollzogen) wurden 620 Jahre monastischen und wissenschaftlichen Lebens abrupt beendet - eine Tradition, an die man 1981, als das Schwäbische Bildungszentrum seine Arbeit in dem früheren Klostergebäude aufnahm, wenigstens teilweise wieder anknüpfte. Dem einstigen Kloster unterstanden folgende Pfarreien und Filialen: Baisweil, Bayersried, Blöcktach, Eggenthal, Eiberg, Hausen, Ingenried, Irpisdorf, Ketterschwang, Lauchdorf, Leinau, Mauerstetten, Oggenried, Pforzen, Rieden, Romatsried, Schlingen.
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