
GESTÜHL
Beim Kirchengestühl sind vier Gruppen zu unterscheiden, die Reihen 1-4 (Nachbildungen des 19. Jahrhundert), 5-14 (um 1715), 15-21 (um 1705) und 22-24 (Nachbildungen des 20. Jahrhunderts). Für die im Original erhaltenen, geschnitzen Eichenholzwangen gibt es nichts vergleichbares; einzigartig ist die Vielfalt der kombinierten Motive: Putten - in Vorder-, Seiten- und Rückansicht, spielend, kletternd, sitzend und schlafend zwischen Draperien, Akanthus, Weinlaub, Frucht- und Blütengirlanden, manche essen Trauben. Keine der Szenen auf den 64 Wangen des Kernbestandes gleicht der anderen. Betrachtet man die Reihen 5-14 genauer, zeigt sich, daß die Farbe des Eichenholzes dunkler, die Formen schwerer und die Puttenkörper rundlicher sind als bei den jüngeren Teilen des Gestühls.
Heute endet das Gestühl unmittelbar an den schmiedeeisernen Gitter, das den Hauptraum vom Vorraum trennt, zur Klosterzeit aber bestand zwischen Gestühl und Gitter ein Durchgang für Prozessionen, die innerhalb der Kirche abgehalten wurden. Das Gitter wurde 1664 von einem Schongauer Schlosser für die alte Kirche gefertigt und beim Einbau unter den drei Arkaden der Orgelempore (um 1703) ergänzt. Es gehört zu den schlichteren Beispielen seiner Art.
Im Vorraum unter der Westempore ergänzend zu den Deckengemälden unter den Emporen des Langhauses Darstellungen der fünf Geheimnisse des Schmerzreichen Rosenkranzes von Fr.Magnus Remy. An den Wänden (seit 1860) Grabmäler und Gedenksteine (zumeist aus Sandstein) von Irseer Äbten und Adelsfamilien, die vorher in der einstigen Klostergruft unter Sakristei und Kapitelsaal standen; darunter diejenigen von Abt Adam Leberwurst ( 1596) und Abt Sebastian Mayr ( 1624) in versenktem Hochrelief. Das Denkmal für Markgraf Heinrich von Ursin-Ronsberg, das 1543 errichtet wurde, zeigt ihn knieend, und als Stifter des Klosters mit Kirchenmodell.
Hoch über dem Eingang in die Kapelle des nördlichen Turmuntergeschosses hängt eine Muttergottes mit Kind (um 1520), Jakob Maurus aus Kempten zugeschrieben. In der Kapelle steht ein Salvator-Mundi-Salva-Nos-Altar aus der Zeit um 1760. Der Kerkerheiland (um 1735) in der Mittelnische, ein Schulter-Wunden-Heiland nach der Vision der seligen Kreszentia von Kaufbeuren, ist ein Werk Ignaz Hillenbrands. Die flankierenden Figuren stellen die Schmerzhafte Muttergottes und Maria Magdalena dar; das Salvator-Gemälde im Aufzug ist 1655 datiert.
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