| Allgäuer
Sagen und ihre Gestalten |
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Allerlei
Perchten! Wie auch anderswo, so gab es im Wertachtal unterhalb Kaufbeuren, in der Gegend von Irsee, Schlingen, Pforzen und Ingenried ehedem die "wilde Perchtel". In den Rauhnächten hat sie bisweilen die wilde Fahr angeführt. Sie bestrafte Faulheit und unangebrachte Neugier und belohnte Fleiß und Hilfsbereitschaft. Perchten hielten sich gerne im Holunderstrauch auf und bestraften jeden, der der einen Hollerstrauch fällte oder beschnitt. |
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Geisterschlacht
bei Irsee Auf dem "Schlachtenbühl"bei Irsee (heute Schlachtbichel genannt) ging es in fernen Urzeiten wild zu. Es soll eine Schlacht geschlagen worden sein, bei der Mensch und Tier, Freund und Feind bis auf die letzte Seele getötet wurden. Heute noch ist es dort vor allem in den Nächten vor hohen Feiertagen alles andere als geheuer. Die Geister der Erschlagenen setzen dann ihre Schlacht fort, dass der Himmel über dem Schlachtenbühl sich blutrot färbt und man Waffenlärm und Stöhnen der Sterbenden weithin hört. Man hat den Bühl schon einmal ausbenedizier, aber das hat nichts genützt. Es ist immer noch keine Ruhe eingekehrt - wohl deshalb, weil es sich um heidnische Kriegsvölker gehandelt hat, die sich dort bekämpft hatten. |
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Das
Hollamuetterle von Ingenried In Ingenried bei Irsee lebte einmal eine Wittwe mit ihrem einzigen Sohn. Die Mutter wollte ihren Sohn nicht hergeben, als er beschloss in Irsee in das Kloster einzutreten. Sie folgte ihm bis an die Klosterpforte und umstrich jahrelang die Klostermauern. Eines Tages brach sie vor Erschöpfung zusammen und starb. Am Hollabühl. zwischen Irsee und Ingenried fand man sie und begrub sie dort. Dort erschreckt sie nun geisternd bei Nacht die Vorüberkommenden als ein kleines, verhutzeltes Weiblein im roten Häß und mit einem weißen Kopftuch auf dem Kopf. Dort ruft es: "Wo isch dr Bua?" Wenn man antwortet:"Bi Gott!", dann verschwindet das Weible ganz still. Zögert man aber mit der Antwort, dann wirft es einem Dreck ins Gesicht, dass man lange nichts mehr sieht und den Weg nach Hause nicht mehr findet. Vor allem die Pferde scheuen gerne vor dem Hollamuetterle und galoppieren dann querfeldein. |
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Der
Mederschacher Der Mederschacher trieb sich einst in den Wäldern zwischen Blöcktach und Irsee herum. Er war ein riesenhaftes Gespenst, das die Menschen in die Irre führte und allerlei Schabernack trieb. Bei seiner Größe war des ihm ein Leichtes, am Morgen den Leuten schnell im Kamin das Feuer auszublasen, dass man es den ganzen Tag nicht mehr zum Brennen brachte. Am schlimmsten trieb er es um Allerheiligen herum. Da blies er so stark in den Wald hinein, dass Dächer, Kamine und sogar Fensterscheiben zu Schaden kamen. Sogar manchen Brand hat er auf diese Weise entfacht. |
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Das
Katzenweible von Mauerstetten Das Katzenweible von Mauerstetten, unweit von Irsee, war eine Hexe ganz besonderer Art. Sie war weit und breit die einzige Hexe, die die Hexenzeit überlebt habe; denn immer, wenn sie in Eisen gelegt werden sollte, nahm sie geschwind Katzengestalt an und entwischte den Verfolgern. In Gestalt einer Katze erschreckte sie auch gerne Hunde und Menschen bei der Feldarbeit. Wo das Katzenweible auftauchte, ließ man am besten für diesen Tag die Arbeit liegen. Im vorigen Jahrhundert kannte man in der Kaufbeurer Gegend noch die Redensart: "Der hat das Katzenweible gsehe...", wenn jemand seine Arbeit vorzeitig abgebrochen hatte. |
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Irseer
Schutzgespenst Da man als Bewohner von Irsee selbstverständlich vor dieser bedrohlichen, nächtlichen Gespensterwelt schützen muss, haben die Schulkinder kleine "Schutzgespenster" gebastelt. Diese haben die Kraft inne, den Mederschacher und alle missgünstigen Perchten von Haus und Hof fernzuhalten. |
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| Ablauf des Projektes: fächerverbindend und jahrgangsübergreifend Nachdem Ende Oktober in nebligen Zeiten die Kinder der 4. Klasse die alten allgäuer Sagen gelesen hatten, machten sie sich an die Gestaltung. In Gruppen widmeten sie sich je einer Sagengestalt und fertigten sie riesengroß aus Leintüchern, Leder, Fellresten und allerlei Naturmaterialien. Diese Gespenster wurden nun mit Schnüren in das Gebälk des Biomarkt-Stadels hochgezogen, wo sie zur Freude dser Marktbesucher einige Wochen lanag schweben sollten. In der Schule schrieben die Kinder gruselige Fantasiegeschichten, in denen "ihr Gespenst" eine wichtige Rolle spielen sollte. Diese Aufsätze ergaben ein spannendes Buch, gruselig illustriert und mit Fotos versehen. Auch die Eltern durften kleine Geschichten darüber schreiben, wovor sie sich in ihrer Kindheit gefürchtet haben. Höhepunkt war dann in der Dämmerstunde auf dem Biomarkt unser gemeinsames "Gespenstersingen". Zahlreiche Besucher waren gekommen und lauschten den Liedern und Texten, die die Kinder aller Klassen gemeinsam in der Schule wochenlang eingeübt hattten. Es gab dabei auch ein Gespensterrätsel zu lösen und gebackene Gespensterchen zu essen. Kurz vor dem 1. Advent schließlich haben die "sagenhaften Wesen" bei einer Versteigerung einen neuen Besitzer gefunden. Für alle Beteiligten war diese "sagenhaft gespenstische Zeit" recht genussvoll. Eine echte Alternative zu Halloween! Quelle: "Allgäuer Sagen" Hermann Endrös, Alfred Weitnauer, Allgeäuer Zeitungsverlag Kempten, 1990 Zum Rätsel! |
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